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Dr. Dr. med. M. Jenny

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Camphora

Klassische Literatur

Camph Hong KongUm einen Eindruck der klassischen homöopathischen Literatur bezüglich Camphora zu geben, möchte ich hier das von W. Boericke beschriebene Bild in Auszügen vorausschicken (1): 'Hahnemann sagt: Die Wirkung dieser Substanz ist sehr verwirrend u. schwierig für die Untersuchung, sogar beim gesunden Organismus, weil ihre Erstwirkung, häufiger als bei irgendeinem anderen Mittel, wechselt und sich vermischt mit den Vitalreaktionen (Nachwirkungen) des Organismus. Deswegen ist es oft schwierig zu entscheiden, was zu den Vitalreaktionen des Körpers gehört und was zu den Wechselwirkungen infolge der Erstwirkung des Kampher.' Er betont 'Kollaps' und 'eisige Kälte ganzen Körpers; plötzliches Schwächegefühl; Puls klein u. schwach. Nach Operationen bei unternormaler Temperatur u. niedrigem Blutdruck, … . Angangsstadien einer Erkältung mit Frösteln und Niesen. … Sehnenhüpfen und äußerste Ruhelosigkeit. …  Charakteristisch für Campher, daß der Patient nicht bedeckt sein will trotz eisiger Kälte des Körpers. Eines der Hauptmittel bei Schock.  … Augen: Fixiert, starrend; Pupillen erweitert. Gefühl, als ob alle Gegenstände zu hell u. glitzernd wären. ... Gesicht: Blaß, hager, ÄNGSTLICH, verzerrt; BLÄULICH, kalt. Kalter Schweiß. … Extremitäten: Rheumatischer Schmerz zwischen den Schultern. Erschwerte Bewegung. Taubheit, Vibrieren u. KÄLTE, Knacken in den Gelenken. Wadenkrämpfe. Eiskalte Füße, Schmerzen wie von Verstauchung. Fieber: Puls klein, schwach, langsam. Eisige Kälte des ganzen Körpers. Kalte Perspiration. Kongestives Frösteln. Zuge kalt, schlaff, zitternd. Haut: Kalt, blaß, blau, livide. Mag nicht zugedeckt werden (SEC.).

Bei Lippe (2) finden wir erstmals ein Symptom, das ich bei Patienten selbst beobachten konnte, nämlich 'Schlaflosigkeit wegen nervöser Überreizung (Coff, Kali-p, Nux-v, Phos, Stram)'. Hering (3) schreibt hingegen von 'Geistige(r) Erregbarkeit', was in die gleiche Kerbe schlägt und, wenn auch nicht sehr selten, dennoch ausgesprochen zutreffend auf die von mir erkannten Fälle von Camphora war.

Camph BlueteBezeichnenderweise für die klassische Beschreibung mit Kollaps und Kälte lesen wir bei Charette (4): 'Hauptsächliche Indikationen – Ganz allgemein ist der Kampfer ein Heilmittel all jener Krankheitszustände, die jäh anfangen, eine schwere Prostration hervorrufen und von einem Erkalten des Körpers, kleinem, schwachem Puls und drohendem oder ausgeprägten Kollaps begleitet sind. Dieser Zustand findet sich vor allem bei Cholera, wobei Camphora in der Tat ein sehr wertvolles Mittel ist; aber auch bei Pneumonie, Bronchitis capillaris, nach allen Folgen einer Erkältung, einer Verwundung, nach Zurücktreten eines Exanthems oder bei Muschelvergiftung kann man Camphora mit Erfolg anwenden.'. Im Folgen geht er über auf die Differentialdiagnose mit den beiden anderen Cholera-Mitteln, Veratrum album und Cuprum. Hierbei stellt er bei Camph den raschen Kollaps heraus, bei Verat die Durchfälle und bei Cupr die begleitenden Krämpfe. Analog lesen wir bei Morrison (5) etwas, das ich bisher so noch nicht gehört hatte: ' Verdauungstrakt: Die frühe Verbreitung der Homöopathie war weitgehend dem Erfolg von Camphora bei der Behandlung während Cholera-Epidemien zu verdanken.'

Nicht unpassend auch Kents (6) Worte '... Es passt bei akuten Erkrankungen, die mit großer nervöser Erregung - bis hin zur Raserei - einhergehen, mit Krämpfen und Konvulsionen, und die schließlich in völlliger Erschöpfung enden. …'.

Dennoch sehen wir, dass, abgesehen von der Erregbarkeit, kein wirklich prägnantes Bild aus der klassischen Literatur ableitbar erscheint. Umso mehr ist dies jedoch wieder einem Mann, Prafull Vijayakar in Mumbai zu verdanken, der jedenfalls mir ermöglichte, aufgrund seiner prägnanten Beschreibung das Mittel zu erkennen und erfolgreich zu verordnen.

(1) Boericke, W., Materia Medica, aus MacRepertory für Windows Pro 6.1.7
(2) Lippe, A. Handbuch homöopathischer Charakteristika: Eine Arzneimittellehre für die Praxis, Haug Verlag, Stuttgart 2003, aus dem Original Textbook of Materia Medica von 1866
(3) Hering, Constantin, Condensed Materia Medica, 3. Auflage, F. E. Boericke, Philadelphia 1884, Übersetzung des Autors
(4) Charette, Gilbert, Homöopathische Arzneimittellehre für die Praxis, Hippokrates Verlag Stuttgart, 6. Auflage 1991
(5) Morrison, Roger, Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Betätigungssymptome, Kai Kröger, Verlag für homöopathische Literatur, Groß Wittensee 1997
(6) Kent, J. T., Homöopathische Arzneimittelbilder, 2., aktualisierte Auflage, Karl F. Haug Verlag 2009, ISBN: 9783830473503 

Meine Erfahrungen

Camph 3 AustrCamphora ist irgendwo zwischen dem Wunsch nach Bestimmung und Tonangeben, was eine metallische Qualität darstellt, und dem Wunsch getröstet zu werden, angesiedelt (1). Es hat feine Gesichtszüge und eine schmale und spitze Nase. Eine, wie man sagen könnte, 'adrette Erscheinung', die sich zu behaupten und durchzusetzen weiß. Allerdings fehlen dem Mittel ebenjene metallischen Eigenschaften, die für ein solches 'Durchsetzen' eher typisch sind und die Ahnlehnungsbedürftigkeit von Campher erinnert schon fast an Pulsatilla, dessen soziales Agieren aber deutlich anders ist, da es immer wieder auch aufgerichtet und rückversichert sein möchte, es braucht Zuneigung und kann durchaus selbstsüchtig in dieser Hinsicht sein. Camphor-Patienten denken alleine und wollen auch alleine sein, nur eben unterbrochen vom Trost ihnen nahestehender Personen, und auch nur dann, wenn sie das möchten oder es in ihren Augen notwendig ist.

  • Geist, Gemüt; diktatorisch; dogmatisch (18): ars camph CAUST chlam-t FERR ferr-acet impa-w kali-br KALI-C lach lyc merc nux-v oxyg querc-r sep stoi-k thuj
  • Gemüt; RECHTHABEREI, Bestimmtheit (20): adam, androc, ars, camph, caust, choc, cupr, dulc, ferr, hep, hydrog, lac-h, lach, lim-b-c, merc, nux-v, op, ozone, plat, sep
  • Gesicht; Spitz, hager; Nase: aether anath ANT-T apis ARS calc-p CAMPH CARB-V CHINA COCC CUPR HELL kali-cy kali-p LACH laur MYOS nux-v op PH-AC plb podo puls RHUS-T sec sieg spong STAPH TAB thul-m VERAT VERAT-V

Durch diese Eigenschaften haben Camph-Menschen auch ein ungewöhnliches Verhältnis zu Gesellschaft, das man nicht eindeutig zuordnen kann. Einerseits tut es ihnen gut, v.a. wenn die Gesellschaft Trost bietet, auf der anderen Seite sind sie auch gerne mit sich und ihren Gedanken alleine oder ziehen ein gutes Buch vor. Sie sind auf keinen Fall 'Partylöwen' und brauchen ihre Privatsphäre. Aufgrund dieser Komplexität kann es auch ein paar Konsultationen dauern, eh man an das Mittel denkt.

  • Gemüt; TROST, Zuspruch; amel. (16): ars, asaf, Camph, carc, cic, falco-p, gels, hell, lyss, pall, parth, phos, Puls, raph, sac-alb
  • Gemüt; GEDANKEN; allgemein; gedankenvoll; sich selbst, über (4): camph, cic, ferr-ma, viol-o
  • Gemüt; GEDANKEN; allgemein; hartnäckig; sich selbst, über; will von Gedanken über sich selbst abgelenkt werden (1): camph

Dabei beschreibe ich, wie meist, den sog. sykotischen Zustand der Arzneien, den wir zumeist in der Praxis antreffen. Ein echter psorischer Zustand ist sehr selten und eigentlich nur unwesentlich unterschieden, jedenfalls was die wahlanzeigenden Symptome anbelangt, da wir auch in einem psorischen Zustand nach sykotischen Symptomen Ausschau halten, die in so einem Fall zur Auswahl wesentlich höherwertiger und damit verlässlicher sind.

Die Patienten sind 'erregbar', wie schon Constantin Hering schrieb, und das zeigt sich in einer Tendenz zum hastigen Sprechen, eine der Eigenschaften, die dem Behandler vielleicht zuerst auffallen wird und unsere Gedanken immer auf das Mittel lenken sollte. Dabei merken die Patienten, dass sie sich aufregen und es geht ihnen auch nicht so besonders gut dabei.Camph Bluete geschlo

  • Geist, Gemüt; Reden, redet; hastig (81): ACON act-sp aids alco AMBR amet anac androc anh arg ARN ARS atro atro-s aur aur-s BELL borr-b BRY bufo calc-hp CAMPH cann-i cann-s caust chlol cic cimic cina COCC cymb-c falco-c FL-AC gink haliae-lc HELO HEP HYOS IGN irid kali-c kali-p lac-c LACH lil-t loxo-r LYC LYSS m-art MED MERC merc-v mez mobil-ph morph MOSCH neod nico-r nux-v op PH-AC PLAT plb posit PULS pyrog rhus-t ros-ca-a sac-alb salx-f SEP stann STRAM stry SUL-AC tab tax THUJ uran VALER VERAT
  • Geist, Gemüt; Gemütserregung, Anspannung, erregbar; rasend, wild (8): aether ARG-N atro camph hyosin KALI-I plac tity-t

Eine besondere Beachtung verdient weiterhin die Rubrik

  • Mirillis Themen; Sarkasmus, beissender Spott (139): ... aml-n ... bar-c ... BUT-AC calc ... camph ... CARB-V carbn-o ... GRAPH guai ... petr ... (Kohlenstoffverbindungen zu Demonstrationszwecken vom Autor ausgewählt)

da es sich bei dem Mittel um das Harz des Baumes, eine langkettige Kohlenstoffverbindung (C10H16O) handelt und nicht um ein botanisches Produkt, wie Blatt, Blüte, Ast oder Wurzel. Dies scheint ursächlich verantwortlich dafür zu sein, dass man bei einer vorsichtigen Anamnese auch einen gewissen Sarkasmus herausspürt, wie er für Kohlen(wasserstoff)-Verbindungen in der Homöopathie typisch ist. Es ist hier das Verlangen, der Wunsch nach etwas bei dem gleichzeitigen Unvermögen diesem Verlangen irgendwie nachzukommen oder es auch nur klar zu formulieren, das zu Sarkasmus im Allgemeinen führt. Eine Vorstellung kann nicht direkt angegangen werden, aus welchem Grund auch immer, und dies führt zu Sarkasmus im allgemeinen. Ganz typisch und geradezu ein Kennzeichen desselben ist ja Sarkasmus im Kabarett, wo der Künstler auf einen 'Missstand' hinweisen will, ohne ihn selbst angehen oder beseitigen zu können.

Betonen möchte ich noch einmal, dass in meiner Praxis die erwähnte klassische Symptomatik mit Kälte des Körpers bei dem Verlangen, sich aufzudecken oder auch die Kollapsneigung nie vorhanden war.

(1) Vijayakar, Dr. Prafull, Mumbai, Indien, eigene Aufzeichnungen 2007-2013
(2) Hering, Constantin, Condensed Materia Medica, 3. Auflage, F. E. Boericke, Philadelphia 1884, Übersetzung des Autors

Repertorium

  • Camph JpGeist, Gemüt; diktatorisch; dogmatisch (18): ars camph CAUST chlam-t FERR ferr-acet impa-w kali-br KALI-C lach lyc merc nux-v oxyg querc-r sep stoi-k thuj
  • Gemüt; RECHTHABEREI, Bestimmtheit (20): adam, androc, ars, camph, caust, choc, cupr, dulc, ferr, hep, hydrog, lac-h, lach, lim-b-c, merc, nux-v, op, ozone, plat, sep
  • Geist, Gemüt; Reden, redet; hastig (81): ACON act-sp aids alco AMBR amet anac androc anh arg ARN ARS atro atro-s aur aur-s BELL borr-b BRY bufo calc-hp CAMPH cann-i cann-s caust chlol cic cimic cina COCC cymb-c falco-c FL-AC gink haliae-lc HELO HEP HYOS IGN irid kali-c kali-p lac-c LACH lil-t loxo-r LYC LYSS m-art MED MERC merc-v mez mobil-ph morph MOSCH neod nico-r nux-v op PH-AC PLAT plb posit PULS pyrog rhus-t ros-ca-a sac-alb salx-f SEP stann STRAM stry SUL-AC tab tax THUJ uran VALER VERAT
  • Gemüt; TROST, Zuspruch; amel. (16): ars, asaf, Camph, carc, cic, falco-p, gels, hell, lyss, pall, parth, phos, Puls, raph, sac-alb
  • Geist, Gemüt; Gemütserregung, Anspannung, erregbar; rasend, wild (8): aether ARG-N atro camph hyosin KALI-I plac tity-t
  • Gemüt; GESCHWÄTZIGKEIT, Redseligkeit; Reden, Ansprachen, hält (7): arn, camph, cham, ign, lach, lachn, lyss
  • Geist, Gemüt; anklammern; greift nach anderen Personen (22): agar ANT-T ars bar-c bism bism-n bor CAMPH cina coff CUPR cupr-acet gels iodof irid op phos psil-s PULS sol-t STRAM tax
  • Geist, Gemüt; Gebärden, Gesten, macht; Hände, streckt sie aus, greift, zupft usw.; Personen, nach umstehenden (10): acetan ANT-T ars bell CAMPH cocc merc op phos stram
  • Mirillis Themen; Sarkasmus, beissender Spott (139): ... aml-n ... bar-c ... BUT-AC calc ... camph ... CARB-V carbn-o ... GRAPH guai ... petr ... (Kohlenstoffverbindungen zu Demonstrationszwecken vom Autor ausgewählt)
  • Geist, Gemüt; Gedanken versunken, in; Gedankensphären, wie in höheren, aber er ist sich dessen nicht bewusst (1): camph
  • Gemüt; GEDANKEN; allgemein; gedankenvoll; sich selbst, über (4): camph, cic, ferr-ma, viol-o
  • Gemüt; GEDANKEN; allgemein; hartnäckig; sich selbst, über; will von Gedanken über sich selbst abgelenkt werden (1): camph
  • Gemüt; FURCHT; allgemein; Spiegeln im Zimmer, vor; sich selbst sehen zu müssen (1): camph
  • Geist, Gemüt; Entfliehen, versucht zu; Fenster, aus dem (11): AESC AETH ARG-N AUR BELL bry calc-sil CAMPH GELS glon valer
  • WAHNIDEE, Einbildung; Körper; Gehirn; balanciere auf einer schwachen Spitze und laufe Gefahr, jeden Augenblick umzustürzen (1): camph
  • Gemüt; WAHNIDEE, Einbildung; Gegenstände; manchmal dick, manchmal dünn, beim Schließen der Augen in leichtem Schlaf (1): camph
  • Gemüt; GEMÜTSERREGUNG, Gefühlsspannung, erregbar; allgemein; Wort, durch jedes (1): camph
  • Geist, Gemüt; Wahnideen, Illusionen; Welt; neuen Welt, er bewege sich in einer (7): borr-b camph corv-c lar-ar lsd oplo-h taosc
  • Gemüt; WAHNIDEE, Einbildung; Welt; sie habe ihre eigene kleine, in der die Dinge klar seien, außen sei unsicher (1): camph
  • Gemüt; VORSCHLÄGE; macht absurde (1): camph 
  • Geist, Gemüt; Reden, redet; fremder Sprache, in (7): camph lac-as lach m-arct NIT-AC sol-n STRAM
  • Geist, Gemüt; Delirium; wiederholt denselben Satz oder Wörter (3): camph culx-p zinc

  • Gesicht; Spitz, hager; Nase: aether anath ANT-T apis ARS calc-p CAMPH CARB-V CHINA COCC CUPR HELL kali-cy kali-p LACH laur MYOS nux-v op PH-AC plb podo puls RHUS-T sec sieg spong STAPH TAB thul-m VERAT VERAT-V