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Dr. Dr. med. M. Jenny

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Ranunculus bulbosus

Die Ursprungssubstanz

Ran b flowerRanunculus bulbosus oder Knollenhahnenfuß ist die bekannte Butterblume, mit ihren fettig glänzenden gelben Blütenblättern, die man sehr häufig auf heimischen Wiesen sieht und die durch ihre auffallende Farbe hervorsticht.

In der Literatur lesen wir: 'Der Knollige Hahnenfuß ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 45 Zentimetern. Die aufrechten Stängel sind an ihrem Grund, also im Boden, knollig verdickt, woher auch der Trivialname Knolliger Hahnenfuß kommt. … Die Sprossknolle speichert ebenso wie die mehr oder weniger fleischigen Wurzeln Nährstoffe und dient als Überdauerungsorgan. Durch das Absterben oberirdischer Teile im Juli kann der Knollige Hahnenfuß trockene Sommer- und Herbstmonate' überdauern. ...

'Die fünf Kelchblätter sind zurückgeschlagen (im Gegensatz zum Scharfen Hahnenfuß) und sind an der Außenseite behaart.' (1)

'Bettler rieben ihre Haut mit dem Saft der Pflanze ein, um mit den daraufhin sich bildenden Wunden Mitleid zu erregen. Aus diesen Zeiten stammt auch die volkstümliche Bezeichnung Bettlerhahnenfuß.' (2)

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Knolliger_Hahnenfu%C3%9F
(2) https://www.diepta.de/news/praxis/giftpflanzen-scharfer-hahnenfuss-536543/

Allgemeine Vorbemerkungen

Ran b flowersFast immer knüpft sich die korrekte Anwendung eines Mittels mit der Vorstellung davon, die man sich aufgrund eines gelesenen Arzneimittelbildes als Therapeut davon gemacht hat; hat man sich die richtige Vorstellung gemacht, kann man das Mittel leicht erkennen und damit richtig verordnen. Als Hilfestellung und Ideengeber fungiert daneben natürlich die Repertorisation, bei der man spielerisch versucht, die herausstechenden Eigenschaften des Patienten dingfest zu machen, sich vor Augen zu führen und aus den angezeigten Mitteln desjenige auszuwählen, das auch in der 'allgemeinen Vorstellung' zu passen scheint. Dabei sollten es nicht mehr als 5 Rubriken sein, die man kombiniert, wie Dr. Vijayakar nicht müde wurde zu betonen (4). Bei zu vielen Rubriken ist man recht schnell im Abseits und sieht im Ergebnis nur noch die wirklich großen und intensiv geprüften Polychreste. Ich wage einmal zu behaupten, dass der Begriff Polychrest in diesem Sinne eine Art selbsterfüllender Prophezeiung darstellt, denn durch den zuvor geschilderten Mechanismus führt er dazu, dass sie immer mehr im Gedächtnis der Behandler sind, immer häufiger verordnet werden und deshalb auch immer mehr Einträge im Repertorium erhalten. 

Aus diesem Grund und zur Erweitung der Materia Medica-Kenntnis versuche ich hier meine Erfahrungen auch mit sog. 'kleineren Mitteln' niederzulegen und damit allgemein zugänglich zu machen. Die wirklich prägnanten Eigenschaften, die in einem Fall unbedingt vorhanden sein müssen, sollen einfach skizziert werden, damit man sie aus den von der Repertorisation vorgeschlagenen Mitteln auswählen kann. Natürlich wird das Bild auch mittels herausragender Rubriken abgerundet und ihre Bedeutung ein wenig in den Kontext eingefügt.
Oft ist es ein sehr komplexer Eindruck, den man von einem Menschen hat und, wie immer in so einem Fall, ist es natürlich einfacher, wenn man einen Charakter einmal gesehen hat als die Eigenschaften mühsam zu beschreiben. Wer die Landschaft Islands oder die Wüste einmal gesehen hat, wird sie nicht wieder vergessen. Gleichzeitig würde eine detailgetraue Beschreibung aber dennoch viele Seiten füllen. Nun, ich versuche hier einen Kompromiss, der exakt genug ist, um sich auch ein großes Spektrum verschiedener Mittel merken zu können, aber auch erschöpfend genug, um die, oft entscheidenden, Details wiederzugeben.
Das Wichtige hierbei ist, in meiner Erfahrung, möglichst viele Mittel gleichzeitig vor seinem geistigen Auge wahrnehmen zu können. Dies hilft ungemein, zum einen um Gruppen von Mitteln zusammenzufassen, zum anderen um das hilfreiche, passende Mittel herauszusuchen. Vielleicht ist man aufgrund eines einzelnen Symptoms darauf aufmerksam geworden, kann dann aber rasch zuerst die Gruppeneigenschaften vor seinem geistigen Auge vorbei ziehen lassen und dann die speziellen Charakteristiken des einzelnen Mittels. Sehr oft sind es dann auch die auffallenden und ungewöhnlichen Kombinationen von Eigenschaften, die man wahrnimmt und die den Behandler auf das heilende Mittel führen. Hierbei ist ein 'Spielen mit den entsprechenden Rubriken' (1) als Ideengeber sinnvoll.

Die vielleicht beste allgemeingültige Charakterisierung der Ranunculaceen im Allgemeinen bietet die Rubrik Ran b tarax

  • Geist, Gemüt; Heimweh (140): acon ... CIMIC ... CLEM ... HELL ... Puls ... RAN-S ... STAPH stoi-k stront-c ... SULPH 

Es sind 7 der 13 in der Homöopathie bislang bekannten Vertreter (acon, act-sp, adon, ane-n, cimic, clem, hell, hydr, paeon, puls, staph, ran-b, ran-s) hier verzeichnet. Müller (2) schreibt über diese Pflanzenfamilie: ' … die emotionale Reife bleibt … auf der Ebene eines Kindes oder Pubertierenden stehen. … Ranunculaceae sind emotional sehr abhängig von der positiven Zuwendung der sie Umgebenden und ein kleiner Stimmungsumschwung verdirbt sofort die Laune.' Irgendwo scheint immer eine Art Sehnsucht vorhanden, die individuell unterschiedlich kanalisiert wird. Jedes Mittel besondere Eigenarten, die es eindeutig von den übrigen abgrenzen. Staphisagria und Clematis z.B. haben einen relativen Fokus auf Harnwegsinfekten, was in aller Regel auf das Problemfeld 'Revierabgrenzung', Vorankommen und Behaupten hinweist. Aber auch zwischen diesen beiden gibt es bedeutende Unterschiede, derer man sich bewußt sein sollte, will man sicher verordnen. Staphisagria ist wesentlich disziplinierter und die Reizbarkeit wesentlich stärker unterdrückt als bei Clematis.

Während Clematis recht reizbar und unzufrieden ist, wechselt die Unzufriedenheit bei Ranunculus bulbosus mit vielen Sorgen ab, mit denen sich das Mittel herumschlägt, damit ist sie wesentlich mehr kaschiert und im Hintergrund:

  • Geist, Gemüt; unzufrieden, missvergnügt, unbefriedigt; grundlos (3): CLEM merc puls
  • Geist, Gemüt; Streitsucht, Zanken; abwechselnd mit; Sorge und Unzufriedenheit (1): ran-b

Insgesamt ist Ranunculus schon recht stark mit sich selbst beschäftigt bzw. in seiner, von unerfüllter Sehnsucht (wie bei den meisten Ranunculaceae) geprägten Geschichte, sich der Problematik sehr bewußt. Sie können deshalb auch eine üppige Psychotherapie-Historie haben.

Staphisagria auf der anderen Seite hat diese Probleme der Revierabgrenzung in Disziplin und Ehrgeiz sublimiert und es gibt dann v.a. Probleme damit, die Sexualität konfliktfrei zu integrieren.

  • Geist, Gemüt; Angst; Gesundheit, um die; Masturbation, durch (5): CON PH-AC STAPH TARENT ZINC 
  • Geist, Gemüt; Angst; Masturbation, durch (3): cann-i PH-AC staph
  • Geist, Gemüt; Gesellschaft; Abneigung gegen; Alleinsein, Verlangen nach; Masturbieren, um zu (5): BUFO dios STAPH thuj ust
  • Geist, Gemüt; Vergesslichkeit; Masturbation, durch (6): DIG GELS hyos kali-br PHOS STAPH 
(1) Vijayakar, Dr. Prafull, Mumbai, Indien, eigene Aufzeichnungen 2007-2013
(2) Müller, Karl-Josef, Materia Medica Müller 'Wissmut', Zweibrücken, April 2007

 

Knollenhahnenfuß

Ran b bulbAber nun zu Ranunculus bulbosus im Speziellen: 

Das erste und sicherste Erkennungszeichen sind die bekannten Interkostalneuralgien, die meist linksseitig sind, also auf der emotionalen oder 'Familien-Seite'. Hier liegt die 'Sehnsucht' von Ranunculus, das offenbar eine erkennbare Sensibilität im Bereich von Familie und direkter Umgebung hat. Eine wirkliche Emanzipierung einem real existierenden Problemfeld war nie möglich, weshalb zur Kompensation die Schmerzen bzw. ein weiteres einzigartiges und interessantes Symptom auftauchen, das besagt, sobald die Patienten nach draußen geht, fühle sie wie feuchte Lappen innen im Brustkorb (1). Ein Schwerpunkt des Mittels, dessen Probleme damit zusammenhängen, die Brust nicht bieten zur können, also keinen Widerstand leisten zu können (2). Zugehörige Rubriken sind:

  • Gemüt; WEINEN; allgemein; abends; agg.; Brustbeklemmung, mit (1): ran-b 
  • Brust; SCHWELLUNG; allgemein; Musculus pectoralis (1): ran-b

Insbesondere beim letzteren sieht man den Kompensationsmechanismus der Körpers am Werk. Ranunculus konnte sich früher einmal nicht widersetzen und zeigt dies jetzt auf der körperlichen Ebene durch eine angedeutete Hypertrophie des Brustmuskels an. Dies ist eine weitere Analogie zu Staphisagria, das sich ebenfalls nicht wehren konnte und dann irgendwann 'überreagiert'.

Im Gegensatz zu den 'Verletzungsmitteln', den Compositae, sind die Ranuculaceae in einem dauerhaft schwierigen, oder als schwierig empfundenen, Umfeld eingebunden oder aufgewachsen. Es gab also kein konkretes Erlebnis, das sie geprägt hat. Bei Ranunculus bulbosus war das Empfinden ständig von einem Gefühl des Unfriedens und der Ungeborgenheit gekennzeichnet:

  • Geist, Gemüt; Wahnideen, Illusionen; Krieg, meint, er befindet sich im (12): bani-c bell calc-i FERR hyos ignis plat ran-b rhus-g succ thuj verb

Immer wieder also das Bild von Kampfhandlungen um ihn, der sie, herum, denen sie sich nicht wirklich stellen können, nicht die Brust bieten können. Dabei führt die subjektiv als sehr belastend empfundene Situation auch dazu, dass dem Mittel der Sinn für Humor abhanden gekommen ist:

  • Geist, Gemüt; beleidigt, ist leicht; Spässe, durch (4): CINA nat-m ran-b tela

Ansonsten ist der Knollenhahnefuß auch häufig verträumt, wohl als Fluchtweg aus dem als zu kriegerisch empfundenen Umfeld:

  • Geist, Gemüt; Geistesverlorenheit, wie abwesend (107): … ran-b, ...

Auch ein immer wieder hervorbrechender Ärger sollte nicht fehlen, obwohl es sich nicht um ein dominant ärgerliches Mittel handelt. Die Patienten werden von ihrer gelegentlichen Ärgerlichkeit erzählen, in der Anamnesesituation wird aber nichts davon zu spüren sein, da sie immer wieder dem schüchternen und entmutigten Grundnaturell des Patienten Platz machen wird:

  • Gemüt; SCHÜCHTERNHEIT, Furchtsamkeit; abwechselnd mit; Reizbarkeit (2): ran-b, zinc
  • Gemüt; FEIGHEIT; abwechselnd mit Reizbarkeit (2): ran-b, zinc
  • Gemüt; ÄRGER, Zorn, Wut; allgemein; abwechselnd mit; Entmutigung (2): ran-b, zinc
  • Geist, Gemüt; Zorn, Ärger; abwechselnd mit; Unzufriedenheit (1): ran-b

Das allgemein frostige Mittel, das ja im tiefsten Inneren immer noch die Sehnsucht nach Wärme und Familie hat, ist verschlechtert in der feuchten Kälte und entsprechend im Herbst/Winter.

(1) Murphy, Robin, Lotus Materia Medica, Health Harmony 2010, ISBN 8131908593
(2) https://de.wiktionary.org/wiki/bieten

Repertorium

  • Gemüt; WEINEN; allgemein; abends; agg.; Brustbeklemmung, mit (1): ran-b 
  • Geist, Gemüt; beleidigt, ist leicht; Spässe, durch (4): CINA nat-m ran-b tela
  • Geist, Gemüt; Ehrgeiz, Strebsamkeit; Mangel an (85): absin adren agar am-m am-pic ambr apoc arbu-m ARG-N ars bamb-a bar-ar bor but-ac cadm CALC CALC-P calc-sil calop-s CAPS carc cari CAUST cere-b chin chin-ar chr cina clem-vit cocain cocc cop corn-a croto-t DIOS electr erig gall gink haliae-lc harp helo ichth indol kali-c lac-as lac-cpr lach lat-h leon LIL-T lut-o med merc NAT-C nat-m nat-p NUX-V ory-c oxyt pall petr PH-AC plac polyst RAN-B rhus-g RHUS-V rob salx-f sam-s sang schran-u SEP sile-c stann staph SULPH tab tax tax-br thuj tub uran VIOL-O
  • Geist, Gemüt; Ehrgeiz, Strebsamkeit; sehr ehrgeizig (107): acon aego-p agar alum alum-s am-c anac ars asar aur aur-m-n aur-s bar-s berb blatta bov brachy-s cadm CALC calc-f calc-i camph caras carb-an carbn-s caul caust choc cich cina cinis-p cocain cocc coff coloc con culx cupr cur cycl dor dros dysp-n eur-n eur-o eur-p ferr-c galeoc-c gall graph HALIAE-LC holm-n hydr-ac irid kali-c kali-sil kola LAC-EQ lac-h LACH lil-t lut-o lyc m-aust mag-p med mosch naja nat-m nelu neod neod-br neod-c neod-o NUX-V PALL phos pin-s PLAT plut-n polyst pras-f predl psor pter-a puls querc-r ran-b sam sam-c sam-f sam-o sars scorp sil sile-c sol spig staph stoi-k sulph syc-co tanac ulm-c URAN VERAT ytte-n
  • Geist, Gemüt; Heimweh (140): acon ... CIMIC ... CLEM ... HELL ... Puls ... RAN-S ... STAPH stoi-k stront-c ... SULPH Ran b flowers plen
  • Gemüt; SCHÜCHTERNHEIT, Furchtsamkeit; abwechselnd mit; Reizbarkeit (2): ran-b, zinc
  • Gemüt; FEIGHEIT; abwechselnd mit Reizbarkeit (2): ran-b, zinc
  • Gemüt; ÄRGER, Zorn, Wut; allgemein; abwechselnd mit; Entmutigung (2): ran-b, zinc
  • Geist, Gemüt; Zorn, Ärger; abwechselnd mit; Unzufriedenheit (1): ran-b
  • Gemüt; BESCHWERDEN durch; Kränkung, Erniedrigung, Verdruss; emotionale oder geistige Beschwerden durch (21): anac, apoc, aur, bell, coloc, con, cur, ign, lach, lyc, lyss, nat-m, nux-v, pall, plat, puls, ran-b, rhod, staph, verat, zinc
  • Gemüt; FURCHT; allgemein; Gespenstern, vor; abends (4): brom, lyc, puls, ran-b
  • Geist, Gemüt; Launenhaft, kapriziös; tagsüber (3): agar cast ran-b
  • Geist, Gemüt; Wahnideen, Illusionen; Krieg, meint, er befindet sich im (12): bani-c bell calc-i FERR hyos ignis plat ran-b rhus-g succ thuj verb

  • Schlaf; EINSCHLAFEN; Arbeit, bei der (7): bism, lact, mur-ac, phel, ran-b, sulph, zinc
  • Brust; Schmerz; neuralgischer; Nerven, interkostal; links (9): cere-b chin-ar cimic kalm par plb ran-b spig zinc 
  • Brust; SCHWELLUNG; allgemein; Musculus pectoralis (1): ran-b
  • Allgemeines; WETTER; Wetterwechsel; agg (108): abrot, achy, acon, act-sp, all-c, alum, alumn, am-c, anh, ant-c, ant-t, apis, aran, ars, ars-i, asar, bamb-a, bar-c, bell, benz-ac, bor, brom, brucel, Bry, calc, calc-f, calc-p, calc-sil, carb-v, carbn-s, caust, cham, chel, chin, cinnb, cocc, colch, crot-c, crot-h, cupr, cur, dig, DULC, euph, ferr, Fl-ac, galph, gels, graph, harp, hep, hyper, ip, kali-bi, kali-c, kali-i, kali-s, kalm, lach, lept, lyc, mag-c, mand, mang, mant-r, meli, merc, merc-i-f, merc-i-r, mez, mosch, nat-c, nat-m, nat-p, nat-s, nat-sil, nit-ac, Nux-m, nux-v, petr, ph-ac, Phos, phys, phyt, Psor, puls, Ran-b, rheum, Rhod, RHUS-T, rumx, ruta, sabad, sang, sep, Sil, spig, stann, stict, stront-c, sulph, syph, tarent, teucr, thuj, Tub, verat, vip