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Dr. Dr. med. M. Jenny

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Marmor

Einleitung

Lap mar c ConamaraMarmor (Lap-mar-c, Lapis marmoris connemara) wurde 1993 von Nuala Eising an 5 Frauen und 4 Männern geprüft. Dabei handelt es sich um den mindestens 500 Milionen Jahre alten Stein aus der Connemara-Region im westlichen Irland, der für seine hell- bis dunkelgrüne Farbe bekannt ist ('forty shades of green', Schmuck). Im Unterschied zu reinem Kalk, bzw. Kalkstein mit denen Marmor die chemische Zusammensetzung teilt, ist er unter höherem Druck und mehr Hitze durch aufsteigende Magmakörper aus dem Erdmantel entstanden.

Durch die noch nicht lange zurückliegende Prüfung ist verständlich, dass noch relativ wenig praktische Erfahrung mit dem Medikament existiert und ich bin persönlich wieder einmal dankbar für die Arbeit von Dr. Vijayakar, der durch sein profundes Verständnis der Mittel ihre Anwendung im Sinne einer gesichteten Arzneimittellehre für mich und andere möglich gemacht hat. Im Complete Repertory Millenium Edition aus dem Jahr 2000 (1) finden sich 547 Symptome von Lap-mar-c verzeichnet, davon 153 Gemütssymptome. Ein kohärentes Bild davon abzuleiten, ist entsprechend schwierig, bedeutet jedoch nach der Prüfung den entscheidenden zweiten Schritt auf dem Weg zu einer anwendbaren Homöopathie. Während wir bei Adolph Lippe (2) ja noch eine gesichtete Auflistung von Symptomen vorfinden, ist J. T. Kent (3) in seinen Vorlesungen erstmals zur Beschreibung eines oder mehrerer Typenbilder übergegangen, was von G. Vithoulkas etwa ab den 70iger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts dann konsequent weiter entwickelt wurde und in seinem Buch 'Essenzen homöopathischer Arzneimittel' (4) als Vortragsmitschriften veröffentlicht wurde. Dr. Vijayakar in Mumbai (http://www.prafullvijayakar.com:8080/aboutdr.jsp) hat etwa ab dem Jahrtausendwechsel das Seine zu dieser Entwicklung beigetragen, indem er praktische Erfahrung mit den von mir so genannten 'synthetischen Mitteln' als auch mit den neuer geprüften Medidamenten machte und diese an seine Schüler weiter gab. Unter 'synthetischen Mitteln' verstehe ich dabei eine Tendenz, die von J. T. Kent begonnen wurde und sich Teile der Eigenschaften von homöopathischen Medikamenten aus chmischen Verbindungen durch ihre Einzelbestandteile erschließen möchte. Natrium-silicicum z.B. würde man sich auch den bekannten Profilen von Natrum- und Sil-Persönlichkeiten zusammensetzen. Natürlich ist hier das Eis recht dünn, kombiniert mit validen Prüfungssymptomen, kann man aber zu sehr tragfähigen Verordnungen kommen.

Im Folgenden möchte ich von meinen Erfahrungen mit den Lehren von Dr. Vijayakar und meinen persönlichen in meiner Praxis schreiben. 

Ohne die persönliche Beschreibung und das Erlebt-Haben eines Medikaments ist man leicht verloren im Dickicht hunderter Symptome, die man nicht einzuordnen weiß. Sobald allerdings eine Eindrucks- bzw. Charakter-Beschreibung vorliegt, wird dies alles sehr viel einfacher. Nur so können auch Begriffe wie Hochmut oder Egoismus z.B. eingeordnet und mit Leben gefüllt werden. Wenn man sich die Rubrik 

  • Gemüt; DROHT (8): agar, choc, hep, meli, op, stram, Tarent, tub, valer

ansieht, so hat jedes der Mittel z.B. einen anderen Hintergrund, wie und warum sie drohen. Sämtliche enthaltenden Mittel sind sehr unterschiedlich voneinander. Tarentula ist z.B. aggressiv und angriffsbereit mit seiner ganzen Unruhe, Unbeherrschtheit und Impulsivität, es nimmt die anderen Personen nur wie Gegenstände wahr:

  • Gemüt; EILE, Hast; allgemein; jeder; muß sich beeilen (7): arg-n, cann-i, ign, lach, nat-p, nux-m, Tarent
  • Gemüt; ANGRIFFSLUSTIG (7): agki-p, bell, hyos, lat-h, lyss, stram, tarent
  • Gemüt; ANNÄHERUNG; geht auf andere zu; dabei hyperaktiv und physisch ruhelos (16): acon, agar, apis, arg-n, bell, hyos, lyc, mag-p, merc, mygal, phos, rhus-t, stram, sulph, tarent, tub

Das genaue Gegenteil findet sich bei Chocolate dem es, wenn es denn einmal droht, wirklich nur um die vorsichtige Androhung von weiterer Eskalation bei einem ansonsten eher diplomatischen und beherrschten Menschen geht. Stramonium ist sehr viel passiver, passiver als die beiden vorgenannten Mittel und wünscht sich eigentlich Harmonie und Friede. Allerdings kann er sich unter bestimmten Umständen nicht beherrschen und dann brechen die Dinge mit viel Gewalt so aus ihm heraus.

(1) Complete Repertory, Millenium edition von Roger van Zandvoort, 2000
(2) Z.B. Lippe, Adolph, Handbuch homöopathischer Charakteristika. Eine Arzneimittellehre für die Praxis. Stuttgart, Haug 2003, 1. amerikanische Auflage von 1866
(3) Kent, Dr. James Tyler, Kents Arzneimittelbilder - Vorlesungen zur homöopathischen Materia medica, Heidelberg, Karl F. Haug Verlag, 1993, 9. Auflage, 1. amerikanische Ausgabe 1904
(4) Essenzen homöopathischer Arzneimittel nach Geoge Vithoulkas, Sylvia Faust Verlag, Höhr-Grenzhausen, 2004, die Erstveröffentlichung liegt in den 70igern des 20. Jahrhunderts

Klassische Literatur

Lap mar c green marbleDas einzige Werk, das man der neueren Klassik zuordnen könnte und das ein Arzneimittelbild von Marmor aufführt, ist die Synoptische Materia Medica von F. Vermeulen (1). Hierbei übernimmt er auch die in meinen Augen eigentlich unhomöopathische Bemerkungen der Prüferin N. Eising, wie z.B.: "Wenn sich Menschen in der Nähe einer großen radioaktiven Katastrophe wie Tschernobyl befinden, gibt es zuerst eine große innere Hitze (?) und langsam beginnen sich die Calcium-Zellen zu verändern (?). Diese Kinder sind dann die metamorphe (Begriff aus der Geologie) Version (?) ihres originalen Zustandes und als solche benötigen sie das ähnliche Marmor. Schaut auf diese Kinder, ihre Blässe und durchscheinende Haut - genau wie der Marmor. Marmor bröselt von innen, nur der Glanz (3) des Äußeren hält es zusammen (?). Das Gleiche geschieht mit Menschen, die starker radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren - sie lösen sich von innen auf. [Eising]" (eigene Übersetzung des Verfassers, Original s. (2) die Fragezeichen sind ebenfalls von mir eingefügt). 

Ich möchte hierbei die Verdienste der Prüferin nicht schmälern, aber eine derartige Aussage erscheint mir zuhöchst unhomöopathisch und durch einzig durch freies Assoziieren entstanden.

Im Text geht dann weiter um die große emotionale wie körperliche Kälte der Prüfer, das Verlangen nach rohem Fleisch, dem Gefühl eine Katze zu sein und der Abneigung zu baden. 

(1) Vermeulen, Frans, Synoptische Materia Medica. 1.Aufl., Kröger Groß Wittensee, 1996
(2) When people are close to a major radioactivity disaster like Chernobyl, there is at first an intense internal heat, and gradually their calcium cells begin to change. These children are the metamorphic version of their original state, and as such, they need Marble, which is the most similar. Look at the children, their pallor, their translucence – just like white marble. Marble crumbles from the inside – the shine on the outside holds it together. The same happens to people affected by high levels of radiation – they disintegrate from the inside." [Eising]
(3) μάρμαρος, mármaros; ist verwandt mit μαρμαίρειν, marmaírein (=griechisch) schimmern, glänzen

Eigene Erfahrungen

Lap mar c Cloudy ConnemaraDas Arzneimittelbild von Marmor ist eine eigenartige Mischung aus Härte, Führungsqualitäten und einem starken Verlangen nach Anerkennung und Wertschätzung. Dies wird auch auf eine eindeutige und fast fordernde Art ausgedrückt, wie man es bei einer solch durchgreifenden, zupackenden und 'harten' Person eigentlich nicht erwarten würde. Es erstaunt den Behandler geradezu. Gelobt und geschmeichelt zu werden ist ein essentielles Bedürfnis dieses Menschen, der Marmor als homöopathisches Medikament benötigt und er ist sich dessen sehr bewußt! Falls diese Anerkennung einmal ausbleibt, kann es zu schweren Depressionen kommen. Diese Kombination erscheint seltsam, die Abhängigkeit von Komplimenten ist unglaublich hoch, aber gleichzeitig sind sie auch sehr barsch und ihre Einfühlsamkeit erscheint komplett verstandesmäßig gesteuert und wenig emotional. Die Unterhaltung mit diesen Patienten wird erst dann spielerisch und nett, wenn sie das Mittel erhalten haben. Erst dann können sie eine entspannte Konversation führen. Ein Lächeln und das ungezungene Erzählen über sich selbst ist überflüssig und anstrengend für sie, sie wollen geholfen bekommen und keinen Small-Talk führen. Man könnte an Aurum denken, Veratrum album, Lycopodium; Fluoricum acidum oder auch der Reizbarkeit wegen an Kalium-iodatum. Aber es tut sich nichts im Befinden des Menschen, wenn man diese verordnet. Er beklagt sich in einem fort und konsultiert dabei viele Ärzte. Eine Änderung zeigt sich erst wenn man Marmor verordnet hat, das den Menschen beruhigt und von innen zu einer Entspannung des Systems führt.

Interessanterweise ist es in einer Rubrik, die in meinen Augen zu Verwirrung führen kann:

  • Gemüt; WAHNIDEE, Einbildung; Persönlichkeit, hält sich für eine berühmte, hochgeborene (24): aeth, agar, alum, bell, cann-i, coca, cupr, cur, glon, graph, hyos, kola, lach, lap-mar-c, lyc, lycpr, lyss, phos, plat, stram, sulph, syph, verat, verat-v 

Aber dieses Mittel ist oft sehr erfolgreich und es handelt sich keinesfalls um eine Wahnidee sondern eher um eine Tatsache. Marmor-Menschen sind ehrgeizig und haben viel in ihrem Leben erreicht. Das Auffallende in dieser Situation ist ihre emotionale Kälte gepaart mit Reizbarkeit und dem übergroßen Verlangen nach Aufmerksamkeit, Gesellschaft und Schmeicheleien, das man im ersten Moment bei einer solchen Person nicht verstehen kann. Was aber v.a. unverständlich ist, ist die dramatische Reaktion auf das Fehlen von diesen Dingen, das zu einer schweren Depression führen kann.

Repertorium

  • Gemüt; SCHMEICHELEIEN; begehrt (5): carb-v, carc, lap-mar-c, lyc, pall 
  • Gemüt; ZÄRTLICHKEIT, Liebkosungen, Streicheln; Verlangen nach (8): cann-i, carc, germ, lac-h, lap-mar-c, lar-ar, puls, sac-alb 
  • Gemüt; GLEICHGÜLTIGKEIT, Apathie, Teilnahmslosigkeit; anderer, gegenüber dem Los (5): kola., lap-mar-c., plat., sabad., sulph.
  • Gemüt; TRAURIGKEIT, Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Depression, Melancholie; Grund, ohne ersichtlichen (18): androc, bamb-a, bell-p, calc, calc-sil, caust, cench, hydr-ac, lap-mar-c, nat-m, ped, phos, rhus-t, sep, staph, sulph, tarent, tub-r
  • Gemüt; EMPFINDLICH, überempfindlich; allgemein; Verweis, Kritik, Vorwürfe, gegen (30): agki-p, ang, ars, bamb-a, bar-m, calc, calc-sil, cand-a, caps, carc, cham, cina, corv-c, flav, foll, germ, ign, kola, lac-lup, lap-mar-c, med, mim-p, mosch, nat-m, nat-s, nux-v, ozone, puls, sac-alb, staph
  • Gemüt; WAHNIDEE, Einbildung; Feind; umgeben von Feinden (10): anac, bani-c, cand-a, carbn-s, crot-h, dros, lac-del, lap-mar-c, merc, thal
  • Gemüt; WAHNIDEE, Einbildung; vernachlässigt; hält sich für (12): arg-n, curc, kola, lap-mar-c, naja, nat-m, Pall, puls, querc-r, sac-alb, sac-l, sep
  • Gemüt; ÄRGER, Zorn, Wut; allgemein; Unterbrechung, durch (11): androc, cench, cham, cocc, germ, graph, hell, kola, lac-h, lap-mar-c, nux-v
  • Gemüt; ÄRGER, Zorn, Wut; allgemein; verstanden wird, wenn man nicht (5): bufo, calc-s, haliae-lc, lap-mar-c, laur
  • Gemüt; IMPULSIV (43): acon, alum, anac, ant-c, Arg-n, ars, aur, bani-c, cadm, camph, caust, cere-b, cham, choc, cic, coloc, croc, cupr, ephe, gins, hep, Ign, iod, ip, lac-cpr, lac-eq, lach, lap-mar-c, mangi, med, merc, nat-m, nux-v, phos, Puls, rheum, rhus-t, sep, staph, stram, sulph, tarent, thea
  • Gemüt; BEKLAGT sich (90): acet-ac, acon, act-sp, alco, aloe, alum, ambr, anac, ant-c, ant-t, arn, ars, ars-h, asaf, aur, aur-m, bac, bell, bism, bor, bry, bufo, calc, canth, caps, caust, cham, chin, chin-ar, cina, cocc, coff, colch, coloc, con, cor-r, cori-r, crot-h, dig, dulc, goss, hell, hep, hyos, ign, indol, kali-br, kali-c, kali-i, kiss, lac-eq, lach, lap-mar-c, lyc, mag-p, merc, merc-c, merl, mosch, nit-ac, nux-v, op, ozone, petr, ph-ac, phos, plat, prun, psor, puls, rheum, rhus-t, ruta, sang, sep, sil, spira, stann, staph, sulph, tab, tarent, thea, thyr, tub, tus-f, valer, verat, verat-v, zinc